Aus alten Bücherschränken - Die glückliche Insel

Die glückliche Insel

Die glückliche Insel oder Beytrag zu des Capitain Cooks neuesten Entdeckungen in der Südsee aus dem verlohrnen Tagebuch eines Reisenden
Christian Gottlieb Hertel, Leipzig 1781

Dieses Werk das auf den Spuren von Gottfried Schnabels „Felsenburg“ wandelt wird Johann Gottlob Benjamin Pfeil zugeschrieben. Der 1732 in Freiberg/Sachsen geboren wurde und als Amtmann auf der Rammelburg lebte, bis er 1800 dort starb.
Es ist eine Inselutopie die ähnlich wie Schnabels Roman im Pazifik auf einem unbekannten Eiland angesiedelt ist.
Eine Gruppe deutscher Siedler hat sich hier niedergelassen und hat von der übrigen Welt durch riesige Felsen abgeschottet einen eigenen Inselstaat errichtet. Dieser ist patriarchalisch aufgebaut, die Einwohner sehen sich als eine große Familie, in der alle, ob Landarbeiter oder  Handwerker, Künstler oder Wissenschaftler, die gleichen Rechte und Pflichten haben. Einen Adel durch Geburt gibt es nicht.
Die wahre Christliche Religion ist die Grundlage des Staates, dabei werden alle fanatischen Auswüchse sei es durch die katholische oder die reformatorische Kirche abgelehnt.
Der Reisende erfährt das zum Beginn der Kolonie das Alte Testament auch bei Rechtsfragen herangezogen wurde, jedoch sich dies als nicht wirklich praktikabel erwiesen hatte. Einen großen Augenmerk legt man auf die Bildung der Kinder. Diese übernimmt der Staat und belässt diese nicht beim Elternhaus. Jeder erhält eine Grundausbildung, danach entscheidet sich je nach Fähigkeiten, Veranlagung und Interesse, wie sich der weitere Bildungsweg gestaltet. Dafür muss auch das Bildungssystem verändert werden. Einer der am meisten geachteten Berufe in dem Inselstaat ist der Beruf des Lehrers und vor allem des Erziehers der Kleinkinder, denn er sit entscheidend für den weiteren Lebensweg des Inselbürgers.
Gewaltenteilung, eine unabhängige Rechtssprechung, Religionsfreiheit, Toleranz, das sind die wichtigsten Merkmale des Inselstaates. Um dies alles zu gewährleisten ist auch eine unabhängige Justiz von Nöten. Die Gesetze selbst sind einfach und für alle verständlich gestaltet. Das Strafrecht sieht keine Todesstrafe oder Verstümmelung vor, sondern entweder in kleineren Fällen gemeinnützige Tätigkeit oder aber in schweren Fällen Arbeitsdienst in einer geschlossenen Anstalt. Folter, auch zum Zwecke der Wahrheitsfindung wird gänzlich abgelehnt.
Der Reisende bleibt aber skeptisch, kann dieses Modell auch in Europa angewendet werden. Oder ist dies alles nur möglich, da die Insel durch die natürlichen Grenzen, die die Felswände bieten, abgeschottet autark existiert?
In dem der Verfasser das Gesellschaftssystem des Inselstaates wiedergibt, stellt er es den absolutistischen Verhältnissen in Europa, vor allem in den deutschen Kleinstaaten und Frankreich gegenüber. Er übt somit Kritik an den bestehenden Verhältnissen und zeigt mögliche neue Wege auf, diese zu verändern.
Das Buch ist aufgrund der fehlenden Handlung nicht einfach zu lesen. Es folgt in der Struktur seines Aufbaus den bekannten Utopien von Thomas Morus, Campanella und Francis Bacon.
Quasi am Vorabend der französischen bürgerlichen Revolution erschienen ist es jedoch ein interessantes Dokument des Veränderungswillens des Bürgertums auch in den deutschen Ländern.

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