Todesstrahlen und andere neue Kriegswaffen von Max Seydewitz u. Kurt Doberer
Malik-Verlag, London 1936
Das Buch ist ein Sachbuch, keine Utopie. Ausgehend von der Analyse der allgemeinen politischen und militär-politischen Situation warnen Seydewitz und Doberer vor der Kriegspolitik des faschistischen Deutschlands. Sie nutzen dabei die Verlautbarungen der Nationalsozialisten, die im Gegensatz zu ihren außenpolitischen Stellungnahmen bei den Verhandlungen mit den Westmächten stehen. Seydewitz weißt nach, das die gesamte Politik, ja selbst die Kulturszene auf einen neuen Krieg hinarbeitet.
Im zweiten Teil ist es Doberer, der Ingenieur der nun die Möglichkeiten von neuer Kriegstechnik drastisch und nüchtern darstellt. Dabei wird auch immer darauf hingewiesen, das von einer Überlegenheit Nazi-Deutschlands durch so genannte „Geheimwaffen“ keine Rede sein kann. Eine derartige Darstellung diene nur der Mobilmachung der deutschen Bevölkerung einerseits und der psychologischen Abschreckung des Gegners andererseits. Außerdem weist Doberer nach, das an derartigen Waffensystemen bereits weltweit geforscht und Einsatzversuche durchgeführt wurden.
Also so phantastisch wie sich die Waffen anhören Todesstrahlen, Maschinenkanonen und ähnliches., entweder existieren sie schon oder sind in der tatsächlichen Erprobung und Erforschung. Warum sie im Kriegsfalle nicht eingesetzt wurden, kann eigentlich nur daran liegen, das sie im Endeffekt doch noch nicht so ausgereift waren, dass sie aus Sicht der Kriegführenden Parteien effektiv genug waren.
Auffallend war, das die Forschungsgruppe um Wernher von Braun keinerlei Erwähnung fand, war sie vielleicht zum damaligen Zeitpunkt wirklich so geheim, dass die Autoren davon keine Kenntnis hatten? Auch die Atomforschung spielt keine Rolle, denn die „Todesstrahlen“, die Doberer beschreibt basieren entweder auf Elektroenergie oder verstärkter Lichtenergie.
Aus der Kenntnis des Verlaufs- und der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges heraus, muss man sagen, das beide Autoren die Wirkung der nationalsozialistischen Propaganda einerseits und des breiten Terrors und der damit verbundenen Gleichschaltung andererseits unterschätzt haben. Überschätzt haben sie dagegen den Willen des deutschen Volkes zum Widerstand gegen Hitler, aber auch die Fähigkeiten der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland aufzutreten. Das zweite mag aber auch daran liegen, dass zum Erscheinungszeitpunkt des Buches der unsägliche Enthauptungsschlag Stalins gegen die eigenen Reihen und vor allem gegen die Führungsspitze der Roten Armee noch nicht geführt worden war.
Kurt Doberer war eigentlich Ingenieur, schrieb aber auch eine Vielzahl phantastischer Erzählungen und Romane.
Geboren wurde er am 11. September 1904 in Nürnberg. Aufgrund seiner antifaschistischen Einstellung musste er Nazi-Deutschland verlassen und ging ins Exil, wo auch das vorliegende Buch entstand. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück. Neue phantastische Romane schrieb er jedoch nicht mehr. Gestorben ist Kurt Doberer am 20. August 1993 in Nürnberg.
Den politischen Teil der Arbeit ist wohl eher dem linken Sozialdemokraten und späteren sächsischen Ministerpräsidenten Max Seydewitz zu zuschreiben. Max Seydewitz wurde am 19. Dezember 1892 in Forst (Lausitz) geboren. Auch er ging ins Exil, nachdem Krieg war er in verschiedenen Funktionen tätig. Gestorben ist er am 8. Februar 1987 in Dresden.
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