Aus alten Bücherschränken - Fritz Reck-Malleczewen: Des Tieres Fall

Des Tieres Fall

Des Tieres Fall ; das Schicksal einer Maschinerie von Fritz Reck-Malleczewen
München: Georg Müller, 1931
 
Geht man vom Vorwort dieses Romans aus, das der überzeugte Nationalsozialist Edwin Erich Dwinger geschrieben hat, so geht es in diesem Buch, das eindeutig antiamerikanische Positionen bezieht, darum die europäischen Menschen vor dem Moloch amerikanischen Unternehmertums zu warnen.
Aber geht es wirklich darum?
Der Roman beginnt mit der Darstellung des Magnaten Elihu Grant, der alles hat und noch mehr haben will. Dazu plant er die innere Erdenergie anzuzapfen und für seine Produktionsstätten zu nutzen. Doch eben noch auf dem Höhepunkt seiner Macht muss er erfahren, dass er tödlich erkrankt ist. Eine Geschlechtskrankheit wird ihn zu Fall bringen.
Als er diese Nachricht erhält will er zu erst in einem pathologischen Institut wisse, wo die menschliche Seele wohnt. Als er keine befriedigende Mitteilung erhält, trägt er sich mit Selbstmordgedanken, das geht aber schief und als er von einer Hochbaustelle aus sein Imperium von oben betrachten kann, will er nur noch eins – expandieren.
Zuerst wird nun ein kleines Dorf in Italien geschildert, das seinen Expansionsgelüsten zum Opfer fällt, und dabei seine Identität, seine Kultur und seine Geschichte und einen Teil seiner Bewohner verliert.
Noch Tausende kommen ums Leben beim Aufbau einer Maschinerie, die dazu dient ungeheure, noch nie da gewesene Energie mittels der Erdwärme, heute würde man Geothermische Kraftwerke dazusagen, zu erzeugen.
Weltweit werden derartige gigantische Anlagen errichtet, mit der Folge von Umweltvernichtung und einer Zentralisierung von Arbeitskräften aus allen Herren Länder.
Der Chefingenieur Lawson wird mit diesen Arbeitern und ihren Eigenarten konfrontiert. Vor allem die russischen Arbeiter und auch die asiatischen Lohnsklaven verstören ihn mit ihrer ablehnenden Einstellung zur allgegenwärtigen Technik. Als er bei einer Notlandung im Schneesturm auf eine Gruppe ehemaliger Rotgardisten trifft, die durch die Gräueltaten, die sie gesehen und selbst begangen haben, zurück zu Gott gefunden haben, ist er vollkommen verwirrt.
Nach dem er wieder zurück am Krater ist kommt es zur Katastrophe monströsen Ausmaßes. Da Lawson sich entschließt die noch Lebenden zu opfern um den Krater zu retten, entwickelt sich ein Desaster. Die empörte Menge einig in ihrem Zorn stürmt die Wohnstätten der Ingenieure und Lawson wird getötet.
Elihu Grant, mittlerweile blind und gelähmt, tut den Sachverhalt mit einer Handbewegung weg, ein neuer wird kommen. Die Tausende Toten, notwendige Begleiterscheinung.
Ein junger Mönch, der diesem Monstrum gegenüber steht, bereit ihn zu töten, führt seine Tat doch nicht aus, ist zu erschüttert über soviel Gleichgültigkeit und vergleicht ihn mit Satan. Aber selbst dies berührt Elihu Grant keineswegs.
Die Massen rasen, aber ihr Zorn richtet sich nun nur noch gegen die Maschinen und Einrichtungen, aber ziellos.
Die Lohnsklaven können sich austoben, dann übernehmen nach und nach Grants Anhänger wieder die Führung. Doch der Geist des Maschinenstürmens geht weiter, dehnt sich auch auf andere Kontinente aus, auf andere Unternehmen.
Es kommt zur Krise, das Verhältnis Amerika –Japan bricht auseinander, ein Krieg droht.
Kann der allmächtige Elihu Grant auch darauf noch Einfluss ausüben, will er es überhaupt. Völlig lethargisch ist er am Ende und die Rache für den Mönch und alle anderen Toten und Gemarterten wird fürchterlich.
Sein Imperium bricht zusammen.
Interessant ist es wen Fritz Reck dazu auserwählt, dem Allmächtigen den Garaus zu machen. Es sind nicht die Europäer und die Angloamerikaner, die ebenso in Lethargie und allenfalls dumpfen Gehorsam verfallen sind.
Die Vernichtung geht von den Völkern Asiens, wie Inder, Chinesen und Japanern aus, die sich der Maschinerie durch Sabotageakte und Massenstreiks widersetzen. Aber die Person Elihu Grant wird wie einstmals Holofernes durch ein Mädchen, eine junge afrikanische Frau getötet.

Dem Autor ging es also in erster Linie nicht darum antiamerikanisch zu sein. Vielmehr ging es ihm um die Warnung vor einer seelenlosen, die Natur vernichtenden und den Menschen unterdrückende Technologie.
Das Schlussbild des Romans ist dabei besonders beeindruckend und zeigt dass es eine Hoffnung, eine Zukunft gibt. Während beim Bau des Kraters von Unitrastpalace erst die Raben und Krähen, dann sogar Geier den Imperiumssitz umkreisen, umkreisen am Schluss nach der Zerstörung des Imperiums weiße Schwäne die Landschaft.

Als Schriftsteller im nationalsozialistischen Deutschland ist Friedrich Reck-Malleczewen der konservativen Revolution zuzuordnen. Er lehnte aber den Verlust der Individualität ab. Die „Verherrlichung eines selbsternannten Anführers mit primitiver Massenaufmärsche , die kollektiven Rauschzustände der elenden verzückten Parteisoldaten, die ordinären Pöbeleien der gleichgeschalteten Medien, der Verlust an Selbstachtung von Hitlers Anhängerschaft, der kleinbürgerliche Machiavellismus und der grauenhafte Rassenwahn, waren ihm zutiefst zuwider. Die Steigerung der technologischen Drehzahl, der Geschwindigkeit der Akkordbänder und der Arbeitermarionetten“ waren für ihn die „übelste Zukunft, die im Universum denkbar war. (Zitiert nach „Tagebuch eines Verzweifelten“ als Nachlass 1946 erschienen)Nicht zuletzt diese Haltung brachte Reck-Malleczewen ins KZ Dachau, wo er im Februar 1945 starb, ob an Flecktyphus oder aber durch Erschießung kann nicht mehr zweifelsfrei festgestellt werden..

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