Aus alten Bücherschränken - Die Stunde des Stiers von Iwan Jefremow

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Die Stunde des Stiers von Iwan Jefremow
Edition TES, 2009

Lange Zeit verboten und totgeschwiegen, aus dem Gesamtwerk des Historikers und sowjetischen Sf-Autors Iwan Jefremow entfernt, ist dieses Werk nun dank des Enthusiasmus von Gerd-Michal Rose auch in deutscher Sprache erschienen.
Das Buch ist kompliziert und nicht einfach zu lesen. Immer wieder kommt es zu theoretischen Ausführungen zur gesellschaftspolitischen Entwicklung, so wie Jefremow sie nicht zu unrecht sah.
In einer fernen Zukunft existiert auf der Erde eine kommunistische Gesellschaft, die sich aber von den Zielsetzungen der zu Jefremow s Zeit herrschenden KPdSU grundlegend unterscheidet. Es ist kein alles gleichmachender Kommunismus, sondern die Individualität bleibt erhalten ohne das eine politisch herrschende Gruppierung, Jefremow nennt sie Oligarchie besteht.
Diese weiterentwickelte kommunistische Gesellschaft lebt in einer großen Planetarischen Gemeinschaft, der Große Kreis genannt und ist in der Lage Raumflüge zu Lichtjahre entfernten Planetensystemen zu unternehmen. Dort treffen sie auf den Planeten Tormans, der so ziemlich ein Spiegelbild unserer gegenwärtigen Erde ist. Eine herrschende Gruppierung, die sowohl im heutigen Kapitalismus aber auch im sogenannten Realexistierenden Sozialismus lokalisiert werden könnte, unterdrückt die Menschen. Doch mittels Demagogie und Manipulation ist dies den Einwohnern Tormans gar nicht so bewusst, denn deren Vorfahren waren einst von der Erde aufgebrochen, um Not und Elend den Rücken zu kehren. Aber dieser positive Gedanke verkehrte sich bald in sein Gegenteil und die alten Unterdrückungsverhältnisse wurden durch die neuen Herrscher auch auf dem neuen Planeten wieder hergestellt. Erst das eintreffende Erdschiff und die Berichterstattung über das Leben auf der Erde beginnt erste Erkenntnisse der Unterdrückung aufkeimen zu lassen.
Deshalb versucht die Herrscherclique auch ihre Bevölkerung weiterhin in Unwissenheit zu lassen.
Außerdem werden die Astronauten auch mit anderen Sachverhalten konfrontiert wie zum Beispiel Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Ressourcen, Missbrauch der Wissenschaft und ungerechter Verteilung der Nahrungsmittel, Unterdrückung und Zensur der Bildenden Künste, Literatur und Musik.
Das dies tatsächlich wie ein Spiegel der Verhältnisse in der Sowjetunion und China wirken musste und als Kritik zu dem Jefremow spricht öfters von pseudosozialistischen Systemen zu werten war, war der Sowjetführung schnell klar und deshalb wurde das Buch wie bereits erwähnt verboten.
Doch auch jetzt, nachdem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers hat das Buch nichts an Aktualität verloren. Denn solange der Mensch wie der Stier, nur von Egoismus geprägt wird, und unsere gegenwärtige Ellbogengesellschaft ist nichts anderes als die Verkörperung des egoistischen Prinzips, ist der Mensch nicht wirklich frei.
Die Stunde des Stiers ist auch für uns noch lange nicht zu Ende.
Das Buch ist diesmal nicht aus einem alten Bücherschrank, im Gegenteil für die deutschen Leser ist es erst 2009 erschienen. Jedoch das Original erschien in der Sowjetunion bereits 1968, bevor es auf Jahrzehnte aus dem Bewusstsein verschwand. Deshalb habe ich es doch in die Rubrik aus alten Bücherschränken aufgenommen.
Übrigens ist zu vermuten, dass die Filmemacher des DEFA-Films “Im Staub der Sterne” den Roman gekannt haben müssen, denn einiges im Film stimmt mit der Romanhandlung überein.

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