12.1.2012 von Bernd.
Die glückliche Insel oder Beytrag zu des Capitain Cooks neuesten Entdeckungen in der Südsee aus dem verlohrnen Tagebuch eines Reisenden
Christian Gottlieb Hertel, Leipzig 1781
Dieses Werk das auf den Spuren von Gottfried Schnabels „Felsenburg“ wandelt wird Johann Gottlob Benjamin Pfeil zugeschrieben. Der 1732 in Freiberg/Sachsen geboren wurde und als Amtmann auf der Rammelburg lebte, bis er 1800 dort starb.
Es ist eine Inselutopie die ähnlich wie Schnabels Roman im Pazifik auf einem unbekannten Eiland angesiedelt ist.
Eine Gruppe deutscher Siedler hat sich hier niedergelassen und hat von der übrigen Welt durch riesige Felsen abgeschottet einen eigenen Inselstaat errichtet. Dieser ist patriarchalisch aufgebaut, die Einwohner sehen sich als eine große Familie, in der alle, ob Landarbeiter oder Handwerker, Künstler oder Wissenschaftler, die gleichen Rechte und Pflichten haben. Einen Adel durch Geburt gibt es nicht.
Die wahre Christliche Religion ist die Grundlage des Staates, dabei werden alle fanatischen Auswüchse sei es durch die katholische oder die reformatorische Kirche abgelehnt.
Der Reisende erfährt das zum Beginn der Kolonie das Alte Testament auch bei Rechtsfragen herangezogen wurde, jedoch sich dies als nicht wirklich praktikabel erwiesen hatte. Einen großen Augenmerk legt man auf die Bildung der Kinder. Diese übernimmt der Staat und belässt diese nicht beim Elternhaus. Jeder erhält eine Grundausbildung, danach entscheidet sich je nach Fähigkeiten, Veranlagung und Interesse, wie sich der weitere Bildungsweg gestaltet. Dafür muss auch das Bildungssystem verändert werden. Einer der am meisten geachteten Berufe in dem Inselstaat ist der Beruf des Lehrers und vor allem des Erziehers der Kleinkinder, denn er sit entscheidend für den weiteren Lebensweg des Inselbürgers.
Gewaltenteilung, eine unabhängige Rechtssprechung, Religionsfreiheit, Toleranz, das sind die wichtigsten Merkmale des Inselstaates. Um dies alles zu gewährleisten ist auch eine unabhängige Justiz von Nöten. Die Gesetze selbst sind einfach und für alle verständlich gestaltet. Das Strafrecht sieht keine Todesstrafe oder Verstümmelung vor, sondern entweder in kleineren Fällen gemeinnützige Tätigkeit oder aber in schweren Fällen Arbeitsdienst in einer geschlossenen Anstalt. Folter, auch zum Zwecke der Wahrheitsfindung wird gänzlich abgelehnt.
Der Reisende bleibt aber skeptisch, kann dieses Modell auch in Europa angewendet werden. Oder ist dies alles nur möglich, da die Insel durch die natürlichen Grenzen, die die Felswände bieten, abgeschottet autark existiert?
In dem der Verfasser das Gesellschaftssystem des Inselstaates wiedergibt, stellt er es den absolutistischen Verhältnissen in Europa, vor allem in den deutschen Kleinstaaten und Frankreich gegenüber. Er übt somit Kritik an den bestehenden Verhältnissen und zeigt mögliche neue Wege auf, diese zu verändern.
Das Buch ist aufgrund der fehlenden Handlung nicht einfach zu lesen. Es folgt in der Struktur seines Aufbaus den bekannten Utopien von Thomas Morus, Campanella und Francis Bacon.
Quasi am Vorabend der französischen bürgerlichen Revolution erschienen ist es jedoch ein interessantes Dokument des Veränderungswillens des Bürgertums auch in den deutschen Ländern.
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5.12.2011 von Bernd.
Die Vergangenheit unserer Zukunft? : Der Verfall unserer Vormenschen von Gustav Adolf Melchers
Zeit-Verlag, Berlin, Düsseldorf, Leipzig, Stuttgart, 1908
Diese Dystopie ist als Rückblick aus dem Jahre 4251 auf das Zwanzigste und Einundzwanzigste Jahrhundert und darüber hinaus geschrieben. Grundlage für den Verfasser sind Zeitdokumente, die sich auf Schallplattenähnlichen Dokumententrägern befanden.
Bei seinem Rückblick geht er nicht chronologisch vor, sondern berichtet von den damaligen Hauptstaaten der Erde und wie sich bei diesen die Geschichte gestaltete. Dies sind für ihn ein von Preußen dominiertes Deutschland, Großbritannien und Irland, Frankreich, Russland, Österreich-Ungarn, Bayern, Portugal, die Niederlande, Die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, Japan und China.
Die Berichtszeit von 1960 bis 2100 ist hauptsächlich durch Kriege und Revolutionen gekennzeichnet. Diese Ereignisse die mit neuen chemischen, biologischen und elektrischen Waffen geführt werden haben zum Ergebnis das die bis dahin bestehenden Ordnungen am Ende nicht mehr existieren. Überall wurden die Monarchien beseitigt. Jedoch die Kriege haben die Republiken geschwächt und das neue System ist dekadent, so dass es dem Milliardenvolk der Chinesen ein leichtes ist. zunächst Europa, dann aber auch Afrika und Amerika zu besetzen. Nun beginnt eine Jahrhunderte andauernde Friedensperiode, aber irgendwann setzt sich die Dekadenz durch. Die übrige Menschheit ist faul und träge und richtet sich mit künstlicher Nahrung und übermäßigen Gebrauch von Genuss und Rauschmitteln zu Grunde.
Selten habe ich eine so pessimistische Darstellung der zukünftigen Menschheitsgeschichte gelesen.
Es gibt für Melchers scheinbar keine Möglichkeit einen positiven Ausgang der menschlichen Entwicklung zu gestalten. Keine der bekannten Ordnungen besitzt die Lösung. Die Monarchie und andere Autokratien führen die
Menschheit genauso in den Untergang wie Sozialdemokratismus und Anarchismus.
Der asiatischen Denkungsweise billigt er eine Verzögerung des Untergangs zu, aber schließlich kommt es auch unter dieser Herrschaft zum unausweichlichen Ende.
Der fiktive Erzähler einer neuen Menschheit nach Tausenden von Jahren, stellt am Ende die Frage „Sind wir gesund, geistig und lebenskräftig genug, um mit frohen Vertrauen einer immer höher gehenden Entwicklung, einer immer größeren Vervollkommnung des Menschengeschlechts entgegenzusehen – oder ist jene Vergangenheit unserer Vormenschen ein furchtbar drohendes Vorbild unserer vielleicht nur mit übermenschlichen Anstrengungen abzuwehrenden Zukunft?“.
Für die Leser von 1908 waren die geschilderten Ereignisse ausschließlich Zukunftsvorstellungen. Hundert Jahre nach dem Erscheinen des Buches können wir schon sagen, ob der Verfasser richtig lag und irgendwie ist es erschreckend, dass einige im nachhinein fast prophetisch wirken. Und wir können nur hoffen, das die anderen Ereignisse nur Phantasie bleiben.
Das Buch ist also eine Anti-Utopie wobei der Verfasser gegen alles Anti ist. Er ist antiklerikal, antimonarchistisch, antirepublikanisch aber auch anti-anarchistisch. Er ist gegen den Nationalismus sieht aber auch in der Aufgabe der nationalen Positionen zu Gunsten einer Völkervermischung eine Gefahr. Wie bereits gesagt, er nennt keine Auswegsmöglichkeiten.
Gustav Adolf Melchers lebte von 1869 bis 1944. Er schrieb noch den phantastischen Roman „Die neue Sintflut“ der 1914 erschien.
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29.11.2011 von Bernd.
Todesstrahlen und andere neue Kriegswaffen von Max Seydewitz u. Kurt Doberer
Malik-Verlag, London 1936
Das Buch ist ein Sachbuch, keine Utopie. Ausgehend von der Analyse der allgemeinen politischen und militär-politischen Situation warnen Seydewitz und Doberer vor der Kriegspolitik des faschistischen Deutschlands. Sie nutzen dabei die Verlautbarungen der Nationalsozialisten, die im Gegensatz zu ihren außenpolitischen Stellungnahmen bei den Verhandlungen mit den Westmächten stehen. Seydewitz weißt nach, das die gesamte Politik, ja selbst die Kulturszene auf einen neuen Krieg hinarbeitet.
Im zweiten Teil ist es Doberer, der Ingenieur der nun die Möglichkeiten von neuer Kriegstechnik drastisch und nüchtern darstellt. Dabei wird auch immer darauf hingewiesen, das von einer Überlegenheit Nazi-Deutschlands durch so genannte „Geheimwaffen“ keine Rede sein kann. Eine derartige Darstellung diene nur der Mobilmachung der deutschen Bevölkerung einerseits und der psychologischen Abschreckung des Gegners andererseits. Außerdem weist Doberer nach, das an derartigen Waffensystemen bereits weltweit geforscht und Einsatzversuche durchgeführt wurden.
Also so phantastisch wie sich die Waffen anhören Todesstrahlen, Maschinenkanonen und ähnliches., entweder existieren sie schon oder sind in der tatsächlichen Erprobung und Erforschung. Warum sie im Kriegsfalle nicht eingesetzt wurden, kann eigentlich nur daran liegen, das sie im Endeffekt doch noch nicht so ausgereift waren, dass sie aus Sicht der Kriegführenden Parteien effektiv genug waren.
Auffallend war, das die Forschungsgruppe um Wernher von Braun keinerlei Erwähnung fand, war sie vielleicht zum damaligen Zeitpunkt wirklich so geheim, dass die Autoren davon keine Kenntnis hatten? Auch die Atomforschung spielt keine Rolle, denn die „Todesstrahlen“, die Doberer beschreibt basieren entweder auf Elektroenergie oder verstärkter Lichtenergie.
Aus der Kenntnis des Verlaufs- und der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges heraus, muss man sagen, das beide Autoren die Wirkung der nationalsozialistischen Propaganda einerseits und des breiten Terrors und der damit verbundenen Gleichschaltung andererseits unterschätzt haben. Überschätzt haben sie dagegen den Willen des deutschen Volkes zum Widerstand gegen Hitler, aber auch die Fähigkeiten der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland aufzutreten. Das zweite mag aber auch daran liegen, dass zum Erscheinungszeitpunkt des Buches der unsägliche Enthauptungsschlag Stalins gegen die eigenen Reihen und vor allem gegen die Führungsspitze der Roten Armee noch nicht geführt worden war.
Kurt Doberer war eigentlich Ingenieur, schrieb aber auch eine Vielzahl phantastischer Erzählungen und Romane.
Geboren wurde er am 11. September 1904 in Nürnberg. Aufgrund seiner antifaschistischen Einstellung musste er Nazi-Deutschland verlassen und ging ins Exil, wo auch das vorliegende Buch entstand. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück. Neue phantastische Romane schrieb er jedoch nicht mehr. Gestorben ist Kurt Doberer am 20. August 1993 in Nürnberg.
Den politischen Teil der Arbeit ist wohl eher dem linken Sozialdemokraten und späteren sächsischen Ministerpräsidenten Max Seydewitz zu zuschreiben. Max Seydewitz wurde am 19. Dezember 1892 in Forst (Lausitz) geboren. Auch er ging ins Exil, nachdem Krieg war er in verschiedenen Funktionen tätig. Gestorben ist er am 8. Februar 1987 in Dresden.
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22.11.2011 von Bernd.
Das Geheimnis des Riesenhügels von Albert Sixtus
Kinderbuchverlag Berlin, 1962
In die Kleinstadt in der Benno lebt kommt ein geheimnisvoller Mensch. Er nennt sich Professor Gerro und schlägt sein Domizil auf dem Riesenhügel auf. Dadurch wird ein beliebtes Spielgebiet des vierzehnjährigen Benno und seiner Freunde zum Sperrgebiet. Aber Benno lässt es damit nicht beruhen. Er will herausfinden was dort vor sich geht.
Als er die Absperrungen überwunden hat findet er auf dem Gelände eine Miniaturwelt vor.
Der Professor ertappt ihn bei seinem Stöbern und Benno erfährt, das Gerro eine Strahlung entdeckt hat mit der man Gegenstände aber auch Lebewesen verkleinern kann.
Als einer der geplanten wissenschaftlichen Mitarbeiter von Professor Gerro ausfällt, erklärt sich Benno bereit ihn diesen auf seiner Expedition zu begleiten.
So lassen sich Professor Gerro und Benno verkleinern. Jedoch einer der Assistenten führt böses im Schilde. Und so werden die beiden Verkleinerten nicht in das Versuchsgelände gebracht sondern in die Wildnis.
Von nun an müssen sie durch die Welt der Pflanzen und Insekten einen Weg nach Hause finden.
Interessant und spannend sind die Erlebnisse der beiden, die mit Hilfe von Freunden den Weg in unsere Welt zurückfinden.
Albert Sixtus wurde am 12. Mai 1892 in Hainichen geboren. Er starb am 24. Februar 1960 in Jena.
Er war zunächst Lehrer und später Kinder- und Jugendbuchautor. Das Original des „Riesenhügels“ erschien bereits 1941. Laut Wikepedia arbeitete Sixtus bereits seit 1926 an diesen Roman. Das Manuskript wurde ihm gestohlen und erschien als Plagiat unter dem Titel „Dr. Kleinermacher“.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Sixtus von der Gestapo verfolgt und verhaftet und seine Arbeit erschwert.
Mittlerweile gibt es in Jena wo man erst vor wenigen Jahren mehrere seiner Manuskripte und Briefe gefunden hat ein Albert-Sixtus-Archiv. Es wäre zu wünschen, das „Das Geheimnis des Riesenhügels“ mit seiner spannenden Art und Weise Wissen für Kinder zu vermitteln wieder einmal aufgelegt wird.
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18.11.2011 von Bernd.
Phantastische Novellen von Alexander Gerow
Sofia-Press, 1968
Nur fünfzig Jahre alt sind die Novellen aus dem Band. Jedoch zählt der Band zu einer der Raritäten unter den Sammlern von Phantastischer Literatur. Und das obwohl man in der der ersten Novelle „Unruhiges Bewusstsein“ lange auf die phantastischen Elemente wartet. Es ist zunächst die Lebensreflexion des alternden Schriftstellers Georgi Georgiew. Beginnend mit der Zeit des Faschismus und dann aber sehr breit in der Darstellung des Stalinismus. Obwohl vieles wie „1984“ klingt, ist das Erlebte keinesfalls phantastisch, sondern bittere Realität.
Eine Wirklichkeit die den Protagonisten mehr und mehr in eine surreale Welt drängt und in zeitweilig in einer Nervenheilanstalt landen lässt. Wieder entlassen sind seine Tochter durch einen Unfall und seine Mutter durch einen Herzinfarkt verstorben. Auch seine Frau stirbt vor ihm. Nun beginnt er die fixe Idee zu entwickeln, die Wissenschaft müsse eines Tages in der Lage sein verstorbene Personen wieder künstlich wiederzubeleben und dazu benötige sie Informationen über den Verstorbenen. Und Georgi Georgiew beginnt eine Sammlung anzulegen. Darin sind er nun seine Lebensaufgabe bis zu seinem Tode im Jahre 1979.
Die zweite Novelle „Im Jahre 4004“ schließt an die vorhergehende an. Georgi Georgiew wird nach 2025 Jahren wiederbelebt. Und die Wiederbelebung ist tatsächlich so wie er sie sich vorgestellt hatte. In einem künstlichen Körper, der annähernd dem Original gleicht wird ein Bewusstsein implantiert, das mit Hilfe von Erinnerungsstücken wieder aufgebaut wurde. Er ist nicht der Einzige „Wiederbelebte“. Denn sein System der Sammlung von Erinnerungsstücken hat die ganze Menschheit aufgegriffen, nachdem seine erste Novelle posthum veröffentlicht worden war.
Aber nicht nur das Widerbeleben verstorbener Menschen in künstlichen Körpern ist gelungen. Auch die Raumfahrt hat man in den Griff bekommen und reist mit Photonenraumschiffen aus unserem Sonnensystem heraus. Alles wird in der klassenlosen Gesellschaft durchgeplant. So gibt es keine Umweltverschmutzung und Gefahren für die Menschheit werden gleich beseitigt.
Eigenartig ist nur, das einerseits die Menschen um einen Sachverhalt stärker zu betonen auf Verse vergangener Lyriker zurückgreifen, andererseits die Kunst aber staatlich verboten ist. Begründet wird das Verbot damit, das es schon genug kulturelle Errungenschaften der Menschheit gibt, die einer sowieso nicht mehr erfassen kann. Deshalb wäre Neues zu schaffen ineffizient bzw. war irgendwie schon da.
Er erfährt, das der Atomkrieg am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts mittels der überlegenden Militärtechnik der sozialistischen Staaten abgewehrt wurde und auf die vereinigten Staaten zurückfiel. Die imperialistische Führung vernichtet sich selbst und der übrige Teil der Bevölkerung wird Mittels ideologischer Umerziehung auf den Sozialismus eingeschworen, der in der friedlichen Koexistenz seine Überlegenheit bewiesen hatte..
Georgiew bereist nun die Erde, trifft sich mit ehemaligen ebenfalls wiederbelebten Schriftstellerkollegen.
Er besucht den „Musterstaat“ eine Art Museum in der Sahara, in dem die gesellschaftlichen und politischen Absurditäten des 20. Jahrhunderts dargestellt werden, dabei sind die wiederbelebten Personen wie Hitler, Goebbels, Stalin und ähnliche dort als Inventar present.
Da er nun fast unsterblich ist begibt er sich zum Mond, der Venus und dem Mars und macht eine längere Reise mit einer Photonenrakete. Vertieft sich in die Wissenschaften und in die bisher noch nicht gekannten Kunstwerke.
Doch nach 500 Jahren ist er irgendwie gesättigt, er will sich für tausend Jahre einfrieren lassen. In der Hoffnung dass dann auch organische Menschen herstellt werden können.
Geschrieben hat Gerow diese Novellen bereits 1962. Damit gehören sie wohl irgendwie zur so genannten „Tauwetter“-Literatur. Mit Hilfe der phantastischen Mittel rechnet er mit dem Stalinismus auf seine Art ab.
Sein Zukunftsbild spricht von einer klassenlosen kommunistischen Gesellschaft, die absolut durchgeplant ist und dadurch die Bevölkerungs-, Ernährungs-, Umwelt- und Energieprobleme in den Griff bekommen hat, aber mit dem realen Sozialismus nichts gemein hat. Einen eigentlichen Staatsapparat wird von ihm nicht mehr erwähnt, das Sagen in seiner Welt haben die Wissenschaftler der verschiedensten Richtungen.
Alexander Gerow war ein bulgarischer Schriftsteller und Lyriker. Geboren wurde Alexander Gerow am 15. Mai 1919 in Sofia. Er war Antifaschist und Mitglied der Kommunistischen Partei Bulgariens. Daraus resultierte wohl auch seine Hoffnung auf dem weltweiten Sieg des Kommunismus, so wie er ihn in „Im Jahre 4004“ dargestellt hatte. Ob er vielleicht sogar noch lebt konnte ich nicht ermitteln. 1980 erschien in der Reihe „Poesiealbum“ eine Auswahl seiner Gedichte.
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14.11.2011 von Bernd.
Luzifers Ende von Walther Kloepffer
Wilhelm Goldmann Verlag Leipzig, 1928
Der Wissenschaftler Professor Peter Sander hat eine Entdeckung gemacht. Mit Hilfe eines aus Geschlechtsdrüsen von bestimmten Tieren gewonnene Extrakt, das er „Vitalin“ nennt, kann die Lebensdauer von Zellen verlängert werden und das Altern verzögert. Doch bevor er an die Öffentlichkeit gehen kann mit seiner Entdeckung wird er von einem seltsamen Ameriakner aufgesucht, der sich Dr. Devil nennt und seine Erfindung ihn abkaufen will.
Peter Sander weigert sich und ist am nächsten Morgen spurlos verschwunden. So das seine Frau die Polizei und den Bruder Peters alarmiert.
Der Leser erfährt nun das Peter mittels einer Hypnosedroge gezwungen wurde den Urlaubsort zu verlassen und Dr. Devil aufzusuchen. Während er auf ein U-Boot entführt wird, beginnt sein Bruder Klaus mit der Detektivarbeit die ihn zunächst bis New York führt.
Mit dem U-Boot, das bezeichnenderweise den Namen „Satan II“ trägt wird Peter bis zum geheimen Stützpunkt von Dr. Devil gebracht, die „Isla del diabolo“ irgendwo in Äquatornähe im Ozean. Peter erkennt das Dr. Devil nicht nur ein Verbrecher ist, sondern auch ein genialer Wissenschaftler, dessen Genialität nur noch von seiner Menschenverachtung und seinem Größenwahnsinn übertroffen wird. Zweitausend Menschen sollen auf der Insel leben. Die meisten arbeiten unter der Wirkung der Hypnosedroge „Hypnal“, der Rest sind weltweit gesuchte Verbrecher.
Dr. Devil ist ein wahrer Teufel, er führt Experimente an „Menschenmaterial“ durch, ohne dabei irgendeine Rücksicht zu nehmen. Der hippokratische Eid existiert für ihn nicht. Seine Forschungen dienen nur dem eigenen Gewinn und dem eigenen Machtanspruch. Er liebt es Herr über Leben und Tod zu sein. Zu entscheiden wer noch eine Chance hat und wer unvermeintlich Verloren ist.
Unterdessen hat Klaus in der New Yorker Klinik des Dr. Angel einen Hinweis auf dem Verbleib seines Bruders entdeckt und wenige Tage später ist er auf abenteuerliche Art selbst unterwegs zur Isla del diabolo. Er trifft Peter und beginnt einen Rettungsplan zu ersinnen.
Am Ende wird Dr. Devil das Handwerk gelegt, er tötet sich selbst und damit sind aber seine Forschungsergebnisse zur Bekämpfung der gefährlichsten Krankheiten der Menschheit unter anderen auch des Krebses für die Menschheit verloren.
Auf fataler Weise erinnern die Forschungsmethoden des Dr. Devil und auch die Amoralität seiner Handlungen an diejenige wie sie nur ein Jahrzehnt später von den SS-Ärzten in den Konzentrationslagern oder von Japanischen Wissenschaftlern in den Kriegsgefangenenlagern des Zweiten Weltkrieges angewandt werden sollten.
Zur Person Walter Kloepffers konnte ich nur in Erfahrung bringen, das er noch weitere Romane geschrieben hat, aber „Luzifers Ende“ ist der einzige, der aufgrund einiger Details wie Entdeckung des Anti-Krebsmittels, der lebensverlängernden Substanz Vitalin und der Hypnosedroge „Hypnal“ ein Kriminalroman mit SF-Elementen ist.
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8.11.2011 von Bernd.
Der Pestkrieg : ein Zukunftsroman von Ludwig Hofbauer
Ludwig Rath, Verlagsbuchhandlung, Regensburg, 1927
Der Deutsche Mediziner Dr. Wolfram trifft auf der Überfahrt nach den Vereinigten Staaten den unsichtigen Japaner Dr. Kitsura. Aufgrund eines Vorurteils und einer alten Bekanntschaft während der Studienzeit, misstraut er diesen und wird dadurch auch noch durch einen weiteren Bekannten, den Amerikaner Williamson bestärkt.
Dieser offenbart Wolfram, das er schon längere Zeit hinter Kitsura her sei, denn der sei immer dort zu finden wo es politische Brennpunkte gäbe.
Doch plötzlich entwickelt sich das Geschehen in eine völlig andere Richtung. Kitsura, der bemerkt das er ausspioniert wird offenbart sich als der Anführer eines Geheimbundes mit dem Namen „Grünes Kreuz“, eine Organisation, die bereits auch an Dr. Wolfram herangetreten war. Es ist eine Gruppe von Wissenschaftlern, die verhindern will, das eine weitere Geheimorganisation die sich „Das gelbe Rad“ nennt ihre geplante Ausrottung der weißen Rasse durchführen kann. „Das Gelbe Rad“ besteht aus Tibetanern, Mongolen und Indianern. Ihre Mitglieder haben sich tatsächlich zum Ziel gesetzt die Macht des „weißen Mannes“ wieder weltweit zurückzudrängen und die Ureinwohner der Kontinente wieder in ihre alten Rechte einzusetzen.
Als Mittel dazu wollen sie die Pest einsetzen. Die Wissenschaftler vom „Grünen Kreuz“ arbeiten deshalb fieberhaft an einem Gegenmittel.
Die genauen Kenntnisse über Ziele und Planung des „Gelben Rades“ hatte Kitsura gewonnen, in dem er sich in den Hauptstützpunkt des „Gelben Rades“ einem tibetanischen Kloster einschlich und mittels Hypnose den dortigen Anführer ausfragte.
Ausgerüstet mit diesem Wissen gelingt es Kitsura und seinen Vertretern vom „Grünen Kreuz“ die Regierungen in Japan, in einigen Europäischen Staaten und in Amerika zu überzeugen Seit an Seit mit ihnen gegen die Bedrohung zu kämpfen. Es werden in diesen Ländern Impfstationen vorbereitet um gegen einen Schlag der Terrororganisation gewappnet zu sein.
Der kommt auch bald, denn als die Führer des „Gelben Rades“ erkennen, das sie ihren Gegner vom „Grünen Kreuz“ doch nicht ausschalten konnten, beschleunigen Sie ihr Vorgehen. Der Pesterreger wird weltweit freigesetzt. Am besten organisiert und dadurch auch am wenigsten betroffen ist Japan.
Jedoch in den USA und da vor allem in New York spielen sich dramatische Szenen ab. Zur Ablenkung hatten die indianischen Verschwörer den höchsten Wolkenkratzer der Stadt in Brand gesteckt und gleichzeitig die Pest über die Luft und mittels Aerosole in der Stadt verbreitet.
Ein wichtiges Ziel waren auch die ein und auslaufenden Schiffe, da diese am wenigsten auf die Seuche vorbereitet waren.
Tausende von Menschen sterben bereits in den ersten Tagen nach dem Beginn des „Pestkrieges“. Am Ende war etwa die Hälfte der Menschheit trotz der Gegenmaßnahmen des „Grünen Kreuzes“ und seiner Verbündeten gestorben.
Etwa ein Vierteljahr später ist die Pest besiegt. Die Stützpunkte des „Gelben Rades“ in Tibet werden mit Hilfe englischer Bomber zerstört. Jedoch die beiden Führer des „Gelben Rades“ können in Amerika untertauchen.
Ganz nebenbei wurde die durch die Ereignisse geschwächte Sowjetmacht durch einen von Vertretern des „Grünen Kreuzes“ angeführten promonarchistischen Volksaufstand hinweggefegt.
In Japan feiert das „Grüne Kreuz“ den vermeintlichen Sieg über die Organisation des „Gelben Rades“.
Doch bereits wenige Monate später entdeckt ein Wissenschaftler, dass das Zellwachstum gebremst ist und damtit zum einen die Zeugungsfähigkeit drastisch zurückgeht und zum anderen auch die geistige Entwicklung stehen geblieben ist. Das war eine Nebenwirkung der Impfungen.
Wieder bricht Chaos aus, Selbstmorde sind an der Tagesordnung eine Art Völkerwanderung verändert die Strukturen der Länder.
Die Wirtschaft kommt zum Erliegen.
Nach Jahrzehnten, der Autor nennt nun erstmalig das Jahr 1950 ist Amerika tatsächlich wieder in der Hand der Indianer, die Natur hat sich von der Industrialisierung erholt.
Durch Zufall und aufgrund einer alten Schrift erkennt man das Japaner und Indianer gemeinsame Vorfahren haben und diese Blutkombination die übrige Menschheit retten kann.
Es liest sich schon ziemlich spannend und steht in überhaupt nicht heutigen Thrillern nach was da Ludwig Hofbauer in den zwanziger Jahren geschrieben hatte. Er vertritt aber eine mehr als fragwürdige Rassentheorie,
ohne sich dabei dem Nationalsozialismus anzunähern. Im Gegenteil der Faschismus in Italien und das „Hakenkreuzlertum“ in Deutschland sind für ihn nur lächerliche Fußnoten der Geschichte. Man spürt eher seine Sympathie für monarchische Systeme.
Interessant ist das er bei der Bekämpfung des „Gelben Rades“ sowohl Deutschland, England und Amerika an der Seite Japans sieht, das überhaupt die Führung bei der ganzen Geschichte übernimmt. Dabei hat zu dieser Zeit Japan auch schon in der Realität begonnen sich im Asiatischen Raum auszudehnen. Korea war bereits annektiert und auch die Mandschurei war besetzt.
Zur Person Hofbauers konnte ich bisher nichts ermitteln.
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6.11.2011 von Thomas.
Ziemlich begeistert von dieser Nah-Zukunft-Dystopie über eine fundamentalistisch-christliche USA und die Nachwehen ihres Krieges gegen Iran. Alles nur SF, hoffentlich…
Mehr dazu von mir hier.
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28.10.2011 von Bernd.
Menschen vom Planeten Jarga von Stefan Denaerde
Econ Verlag, Düsseldorf, Wien, 1971
Dieser Bericht über die Begegnung eines Menschen mit einem Außerirdischen Reisen erschien 1969 im Niederländischen unter dem Titel „Buitenaardse Beschaving“. Es ist ein utopischer Roman über die Begegnung eines Menschen mit den Bewohnern des Planeten Jarga. Er rettet einen von ihnen das Leben und aus Dankbarkeit weihen sie ihn in ihr Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ein.
Dies ist ein vollkommen auf Effizienz ausgerichtetes System. Deshalb gibt es keinen Privatbesitz. Die Produktion ist auf die Bedürfnisbefriedigung aller ausgerichtet ohne Diskriminierung. Konsumgüter sind reine Gebrauchs- oder Verbrauchsartikel. Es gibt keine Statussymbole und niemand strebt danach mehr zu besitzen als der andere. Die Waren sind von hoher Qualität und hoher Lebensdauer. Es wird auch kein künstlicher Bedarf durch Werbung, die als unmoralisch angesehen wird, geschaffen.
Die Grundaussage ist die Maxime das Effizienz nur möglich ist, wenn es keinerlei Diskriminierung gibt. Gleich welche Bereiche: in der Wirtschaft, in der Familie, unter den Rassen. Freiheit ist die Abwesenheit von Zwangsmaßnahmen jeglicher Art. Für die Jarganer gibt es zwei Arten der Kreativität, die materielle und die immaterielle. Die materielle Kreativität ist ausgerichtet auf das Schaffen zur Erhaltung der eigenen Person und damit selbstsüchtig und ist kennzeichnend für die Menschen der Erde. Die immaterielle Kreativität ist auf das selbstlose Wirken für die anderen gerichtet. Sie ist Voraussetzung dafür das die Menschheit auf ein sozial-stabiles Kulturniveau angehoben wird und auf die Stufe der kosmischen Kultur gestellt werden kann.
So lange dies nicht der Fall ist, warnen die Jarganer, ist die Menschheit zum Untergang verurteilt. Denn die Diskrepanz zwischen hoher technischer Entwicklung und niedriger, weil selbstsüchtiger Kulturstufe wird größer.
Jedoch muss die Menschheit selbst auf den richtigen Weg kommen. Ein Eingreifen der Jarganer würde dem Kosmischen Grundgesetz, einer Art erster Direktive der Nichteinmischung widersprechen. Deshalb erfährt Stef auch nichts über die Technik der Jarganer.
Am Ende seines Kontaktes verpflichtet sich Stef in diesem Sinne auch seine Filmaufnahmen zu vernichten.
Stefan Denaerde ist Holländer und eigentlich Direktor in einem Unternehmen der Kraftfahrzeug-Branche. Er behauptet die Wesen vom Planeten Jarga „erlebt“ zu haben. Aber vielleicht ging es ihm auch nur um seine Vorstellungen über eine bessere Welt zu transportieren. Auf jeden Fall ist die Utopie ein interessantes Denkmodell und beinhaltet meines Erachtens viele wahre Gedankengänge.
Denn eins steht nach nun fast 50 Jahren nach Erscheinen dieses Buches leider immer noch fest. Die sozialen Probleme, die in den Roman Diskriminierungen genannt werden stehen immer noch auf der Tagesordnung und so werden wir den Weg zu einer Super-Zivilisation wohl nie schaffen. So wie es auch Stef im Buch befürchtet hatte.
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23.10.2011 von Thomas.
Immerhin waren zwei ASFC-Mitglieder an diesem Freitag, den 21.10.2011 im Haus des Buches zu Leipzig dabei (Bernd und ich).
Hier ein kleiner Bericht von mir dazu:
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